Presse: Besprechung Neue Luzerner Zeitung

21.02.2005

Affen ausser Rand und Band

In der neuen Musicalproduktion „W.I.L.D.“ von Musical Fever spielen Bananen eine grosse Rolle. Auch ein Seitenhieb auf „MusicStar“ fehlt nicht.

Wenn man als Premierenbesucher am Freitag die Aula der Kantonsschule am Alpenquai betrat, fand man sich urplötzlich inmitten eines Dschungels wieder. Überall standen Palmen, das Licht gedämpft, der Vollmond blutrot, milchige Nebelschwaden schlichen von der Bühne in den Zuschauerraum, und aus den riesigen Lautsprecherboxen zwitscherten exotische Vögel. Derweil verteilten jungen Darsteller in Affenkostpümen Bananen. „Willkommen in der neusten Musicalproduktion des Vereins Musical Fever: ‚W.I.L.D.’“

Publikum begeistert

„Der Titel ‚W.I.L.D.’ bedeutet für jeden etwas andere, wie man auf der Rückseite unseres Flyers lesen kann“, erklärt Daniel Korber, der mit seinen 17 Jahren bereits Buch und Regie der Produktion führte. „Uns war vor allem wichtig, dass wir einen Kontrast zum letztjährigen Stück „Alter Ego“ setzen konnten.“ Man entschoss sich für die Inszenierung des Disneyklassikers „das Dschungelbuch“, versuchte aber auch eigene Ideen und humoristische Einlagen zu aktuellen Themen miteinzuflechten. So durfte auch ein kurzer Seitenhieb auf „MusicStar“ nicht fehlen. Die mitreissenden Musiksmasher von Swing bis Funk stammten vom Film. Vereinzelt bediente man sich auch alter Hits aus Pop und Klassik wie Gershwins „Summertime“, das nun „schlaf kleiner Mogli“ hiess. Arrangiert und vertextet wurden die Stücke meist selber und unter der Leitung von Bigna Ruppen live von der Band gespielt. Beim Filmhit „Probiers mal mit Gemütlichtkeit“ sang das begeisterte Publikum sogar lauthals mit.

Freundschaft, Liebe und Pubertät

In „W.I.L.D.“ geht es um den pubertierenden Menschenjungen Mogli, der im Dschungel aufwächst und vor dem Tiger Shir Kahn in die Menschensiedlung in Sicherheit gebracht werden soll. Er ist aber ein Trotzkopf und läuft ständig davon. Dank seiner Freunde, wie dem gutmütigen Bären Balu oder der Panterin Paghira, entrinnt er ein paar Mal dem sicheren Tod. Als sich die Dschungeltiere in einer Rettungsaktion zusammentun, können sie den bösen Tiger schliesslich gemeinsam besiegen. Botschaften der Story gibt es viele. „Für mich war es wichtig, die Ängste und absurden Handlungen eines Pubertierenden aufzuzeigen und den Eltern, die zuschauen, das Verhalten ihres Kindes vielleicht etwas verständlicher zu machen.“ Daniel Korber hat hohe Ansprüche an seine Produktion. Oliver Zürcher (14) spielte den Mogli: „Mogli läuft ständig vor seinen Problemen davon, anstatt sich ihnen zu stellen.“

Bissige Elefantenparade

Sichtlich am meisten Spass machten den jungen Darstellern – mit Durchschnittsalter 15 – die bissige Elefantenparade und die tolle Affenorgie, wo sie mal so richtig ausser Rand und band geraten durften. „Die wilde Party beim Affenkönig Louie war meine Lieblingsszene“, bestätigt Oliver Zürcher. Eine besondere Überraschung bot der gastauftritt von ein paar ehemaligen Vereinsmitgliedern, die vier kauzige, bekloppte Geier mimten, perfekten A-cappella-Gesang hinlegten und die Lachmuskeln strapazierten.
(Carolina Hügi)