Presse: Besprechung Neue Luzerner Zeitung

20.01.2003

"Final Countdown" auf der Kanti-Bühne

Kantischüler agieren im selbstkreierten Musical. Es unterhält mit Songs, Tanzszenen und crashigem Ende.

Der Schluss ist im Auftakt vorweggenommen: Auf der offenen Bühne rudert eine Schiffbrüchige im Rettungsboot. Das wird sie auch am Schluss des zweieinhalbstündigen Musicals wieder tun, das der Anno 2000 gegründete Verein Musical Fever in der Aula der Kantonsschule Luzern präsentiert. Beteiligt und seit den Sommerferien im Probeneinsatz sind über 50 Kantischülerinnen und -schüler, Ehemalige und einige Externe, engagierte Musical-Fans, wie sie bereits in den Produktionen «Sister Act 2» und «Little Shop of Horrors» am Werk waren.

Plattform für jugendliche Talente

Weil sie diesmal keine passende Vorlage fand, kreierte die Produktions-Crew ein eigenes Musical. Bestandteile sind bekannte Songs und Musikstücke aus dem Musical-, Film- und Pop-Repertoire (bearbeitet von Dirigent Lorenz Ulrich, der auch das 19-köpfige Mann/Frau-Orchester leitet) sowie eine Love-Story, die auf einem Kreuzfahrtschiff spielt. Das Buch schrieben Flavio Lanfranconi, Andi Weber (die auch Regie führen) und Jasmin Stutz. Es entsprach nicht ihren Intentionen, neue Jungstars zu lancieren, sondern möglichst viele Jugendliche mit ihren Talenten zum Zuge kommen zu lassen - als Solisten, Leadsänger und im Chor, in tänzerischen Soli, Paar- und Ensemble-Nummern (Choreografie Tanja Mitrovic/Rama Spörri) und in technischen Funktionen.

Wenn die Rahmenstory auch etwas dünn ist, so gibt der Schauplatz Kreuzfahrtschiff doch Gelegenheit, verschiedenste Charaktere aufkreuzen zu lassen: Blinde und hellsehende Passagiere, mannstolle und scheue Ladies, Machos, rabiate Schiffsoffiziere, dubiose und andere Gestalten und das Show-Team.

Gute Songs, rassige Rhythmen

Das flüssig arrangierte Musical beginnt mit einer pathetischen Fanfare im Hollywood-Stil und dem fetzigen Titelsong und umfasst bekannte Nummern aus der anglo-amerikanischen und deutschen Hit-Kiste wie «Macavity» von Lloyd Webber, «Anything You Can Do» von Irving Berlin, «Son of a Preacherman» und «Weil ich ein Mädchen bin». Zuletzt werden Sound und Geschehen dramatisch: Schiffssirenen heulen auf, und auf der Bühne, wo sonst vorwiegend Scheinwerfertürme (für den effektvolle Lichteinsatz) und Kulissenelemente herumgeschoben werden, wird in Grossaufnahme ein Schiffsuntergang bei hoher See eingeblendet. «Titanic» lässt grüssen.

Doch schliesslich siegt der «Survive»-Optimismus, auf den am Freitag auch das Premierenpublikum in der randvollen Kanti-Aula voll eingestellt war. Jedenfalls verhalf es dem «Final Countdown» mit stürmischem Szenen- und Schlussapplaus zu erfolgreichem «Lift up».
(Eva Roelli)