Presse: Bericht Neue Luzerner Zeitung

14.03.2006

Aufstand der frustrierten Ehefrauen

Erst sind sie frustriert, dann planen sie den Aufstand: Im Kanti-Musical «Rise of the Exwives» gehen enttäuschte Ehefrauen in die Offensive.

Der im Jahr 2000 an der Kantonsschule Luzern gegründete Verein Musical Fever, dem rund 100 Jugendliche (Kanti-Schülerinnen und -Schüler, Ehemalige und Absolventen anderer Schulen) angehören, brachte seither jährlich eine eigene Musical-Produktion heraus. Die letztjährige basierte auf dem Buch- und Filmerfolg «Dschungelbuch» und hatte einen eher exotischen Hintergrund. Die neueste, die am Freitag Premiere hatte, führt in die Welt des New-Yorker Grossstadt-Dschungels. Dort gehen die drei Ehemänner Bill, Morton und Aron ihren Geschäften und der Eroberung jüngerer Partnerinnen nach, während ihre geschiedenen oder verlassenen Ehefrauen ein tristes Dasein fristen.
Cynthia hat gerade Selbstmord begangen, ihre Freundinnen Brenda, Elise und Annie treffen sich bei ihrer Beerdigung und beschliessen, ihre Situation zu ändern. «Unsere Parole ist: Nicht Rache, aber Gerechtigkeit!», sagen die Frauen. Sie polieren ihr Selbstwertgefühl auf, mischen mit in Börse und Business und kippen die Männer aus Top-Jobs und Luxusleben.

Eigenproduktion nach Vorlage


«Rise of the Exwives» (deutscher Titel «Club der Teufelinnen») entstand frei nach dem Roman «The first Wives Club» von Oliva Goldsmith, der erfolgreich verfilmt wurde (mit Bette Midler, Goldie Hawn, Diane Keaton). Die Story führt in die Welt von Show, Money und Glamour und bietet einiges an Action, Dramatik und Herzeleid. Das vom l8-jährigen Thomas Röösli geleitete Musical-Fever-Produktionsteam hat diesen Mix voll genutzt mit dem Resultat, dass der Ideenreichtum in diesem dreistündigen Spektakel etwas überbordet und der Zuschauer hin und wieder den Faden verliert.

Knapp 20 000 Franken Budget


Dank einem Förderpreis, den der Verein erhielt, und dank vieler Sponsoren steht für die diesjährige Produktion ein Budget von knapp 20 000 Franken zur Verfügung. Es ist beachtlich, was die junge Equipe aus eigener Kraft damit auf die Beine gestellt hat. Daniel Korber (19) schrieb das Drehbuch und führt Regie, Bigna Ruppen (l8) hat die musikalische Leitung. Die gut 70 Mitwirkenden spielen, singen, tanzen, treten mit erstaunlichem solistischem Können, aber auch gemeinsam im Bewegungschor oder als Musiker in Aktion. Platziert auf einer Oberbühne, sorgt das Orchester für den mitreissenden Sound, ein Bühnenprospekt mit der New-Yorker Skyline zaubert Grossstadt-Stimmung auf die Bühne.

Viel Bewegung, viele Songs

In den Auftritten des Tanz- und Bewegungschors können die Jugendlichen ihre Rhythmusfreude voll ausleben. Einige der zwölf Songs sind bekannte Rock- und Pop-Lieder, andere wurden von Mitgliedern des Teams komponiert oder getextet. Rechnet man den Einsatz der Licht- und Tontechniker, Bühnen- und Kostümbildner hinzu, ergibt sich ein happiges Pensum für den kreativen Musical-Nachwuchs, der an der Premiere mit frenetischem Applaus belohnt wurde. Aller Frauenpower zum Trotz: Der überschäumende Musical-Cocktail birgt auch Versöhnliches. Spätestens wenn Herbert Grönemeyers Song «Männer» ertönt, bekunden die revoltierenden Exwives, dass es ganz ohne Männer halt doch nicht geht.

Eva Roelli