Presse: Bericht Neue Luzerner Zeitung

17.01.2004

Spannendes Spiel um einen Hochstapler

60 Jugendliche von Musical Fever bringen das selbstkomponierte Musical "Alter Ego" auf die Kantibühne - inspiriert von Spielbergs Film "Catch me if You can".

Der vor vier Jahren gegründete Verein "Musical Fever", dem Absolventen der Luzerner Kantonsschule, Ehemalige und andere Studierende angehören, hat sich mit seiner vierten Produktion viel vorgenommen. Basis des Unternehmens, an dem rund 60 Jugendliche zwischen 13 und 23 Jahren beteiligt sind, sind Steven Spielbergs Film "Catch me if You can" und der autobiografische Roman "Mein Leben auf der Flucht", der die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank William Abagnale jr. schildert. Aus diesem abenteuerlichen Stoff (und mit einem Budget von 23'000 Franken) haben die angefressenen Musical-Freaks unter dem Titel "Alter Ego" ein eigenes Textbuch entwickelt, unterlegt mit selbst komponierter Musik.
Zur kreativen Zelle des Ensembles zählen die "Crazy Brothers" mit Yannick Zürcher (Buch und Regie), Adrian Schmid und Lorenz Ulrich (Kompositionen und Soundkonzept) sowie Flavio Lanfranconi und Philippe Renner als Songtexter. Musikalischer Leiter und Dirigent des 24-köpfigen Orchesters ist Gregor Erismann, hinzu kommen die Verantwortlichen für Produktion und weitere Bereiche von Choreographie bis zum Bühnenbau.

Wunschtraum vom andern Ich

Nach einer letzten Sommer beginnenden Probephase fand während der Weihnachtsferien eine intensive Probewoche statt, am Donnerstag war Generalprobe, gestern die Premiere: Entstanden ist ein über dreistündiges Musical in fünf Akten, umrahmt von einem Prolog und einem Epilog. "Alter Ego" erzählt von den Gefahren, den Wunschtraum vom anderen Ich zu verwirklichen.
Zwei Figuren stehen im Zentrum des turbulenten Geschehens: die "Kultfigur" Frank William Abagnale junior (Christoph Günther), der seiner Mittelmässigkeit und dem sozialen Abstieg entfliehen will, indem er laufend andere Identitäten annimmt, und der Agent Carl Handratty (Flavio Lanfranconi), der verbissen Jagd auf den Hochstapler macht. Das Musical beginnt mit Kindheitsschilderungen der beiden, zeichnet dann Franks betrügerische "Karriere" als Pilot, Arzt und Anwalt nach und folgt die rund um die Welt führende Odyssee mit Flucht und Verfolgung. Die macht die beiden Protagonisten zu Feinden, stellt aber auch eine seltsame Beziehung zwischen ihnen her. Rundum eine spannende Sache.

Spiel auf zwei Ebenen

Gespielt und musiziert wird auf einer zweistöckigen Bühne, was die unzähligen Umbauarbeiten erleichtert und die Mitwirkenden - von denen die meisten drei bis sechs Rollen bewältigen - in Schwung hält. Der abenteuerliche Stoff brachte es wohl mit sich, dass die Kreativität der Musicalmacher stellenweise etwas ausuferte und der Zuschauer es nicht leicht hat, sich in der mit Personen und Episoden etwas überladenen Szenenfolge zurechtzufinden. Zündender als die Textstellen, mit denen Jugendliche ohnehin immer etwas Mühe haben, sind die Musik und die Choreografie der Tanz- und Bewegungsauftritte, die immer auch Farbe ins weissgraue Bühnenbild bringen.
Vor allem sind es auch die 15 Songs, die mit ihrem variantenreichen Sound die jeweiligen Gemütsstimmungen der Story aufnehmen und über die Rampe bringen, Hits mit zügigen Titeln wie "Raus hier!", "Are You my Dead Head?" oder "James Bond of the Skies". In einer eingeschobenen Musikantenstadl-Sequenz hat der Kammerchor der Kantonsschule einen amüsanten Gastauftritt.
(Eva Roelli)