Presse: Bericht Luzerner Woche

14.01.2004

Katz-und-Maus-Spiel am Alpenquai

Am 16. Januar feiert das viel versprechende Musical "Alter Ego" Premiere. Das Stück basiert zwar auf dem Kinofilm "Catch Me If You Can", ist aber trotzdem etwas ganz Eigenes. Die Chancen stehen gut, dass der junge Verein "Musical Fever" damit seine bisherigen Erfolge nochmals übertreffe kann.

Das alljährliche Musical in der Aula der Kantonsschule Alpenquai ist aus der kulturellen Agenda des winterlichen Luzerns nicht mehr wegzudenken. Auch dass die Projekte von Mal zu Mal ambitionierter werden, ist schon fast Tradition. Besonders in Sachen Drehbuch betrat man für die diesjährige Produktion Neuland: "Alter Ego", so der Titel des Stücks, welches am 16. Januar uraufgeführt wird, basiert locker auf Steven Spielbergs Kino-Schnitzeljagd "Catch Me If You Can", welche ihrerseits eine wahre Begebenheit zum Vorbild hat. Auf der Leinwand verkörperte Leonardo DiCaprio den legendären Hochstapler Frank William Abagnale Jr., der in den Sechzigerjahren sein Unwesen trieb. Dieser verstand es geschickt, sich mit falschen Federn zu schmücken und legte sich immer sofort die Identität zu, welche die Situation erforderte. Seinem Verfolger, dem verbissenen FBI-Agenten Carl Hanratty, im Film von Tom Hanks gespielt, war er immer einen Schritt voraus. Nachdem der echte Frank Abagnale schliesslich gefasst wurde und seine Strafe verbüsst hatte, wechselte er die Fronten und stand von da an im Dienste des FBI und half mit, ähnliche Betrüger dingfest zu machen. Ausserdem schrieb er mit dem Buch "Mein Leben auf der Flucht" eine Art Memoiren.

Aber wie gesagt, "Catch Me If You Can" und die realen Begebenheiten bilden nur die Rahmenbedingungen für "Alter Ego". Ein siebenköpfiges Planungsteam hat diesen Rahmen fantasievoll mit bühnen- und musicaltauglichem Inhalt gefüllt. Man wollte dabei "dieser faszinierenden, wahren Geschichte des genialsten Hochstaplers aller Zeiten musikalisch und künstlerisch" gerecht werden. Das Drehbuch und die Songs wurden allesamt von den jungen Mitgliedern des Vereins "Musical Fever", welcher hinter den Kanti-Musicals steht, selbst geschrieben - "Alter Ego" ist also ein absolutes Unikat, trotz des bereits bekannten Hintergrundes eine echte Neuschöpfung. Da es sich bei der Produktion um ein Musical handelt, wäre eine werkgetreue Umsetzung nur schwer möglich gewesen; der echte Frank Abagnale wird als falscher PanAm-Pilot die Flugpassagiere kaum singen und tanzend über seine Gefühle als Hochstapler aufgeklärt haben. Einige musikalische und choreografische Einlagen in "Alter Ego" sind für den Fortgang der Geschichte von zentraler Bedeutung, andere flankieren die Handlung zwar, sind aber in erster Linie als Showblocks zur Unterhaltung des Publikums konzipiert. Gut unterhalten fühlte sich das Publikum bis jetzt immer, die Musicals sind regelmässig ein grosser Erfolg. "The Final Countdown", die letztjährige Produktion, wollten über 2800 Leute sehen. Ähnlich erfolgreich waren auch die Vorgänger "Little Shop of Horrors" (2002) und "Sister Act 2" (2001). Das erste Musical an der Kanti Luzern, "Götterspektakel", ging im Mai 1999 über die Bühne, ein Jahr später folgte George Orwells düstere "Animal Farm".

Diese beiden Gehversuche wurden im Rahmen des damals neu eingeführten Schwerpunktfachs Musik organisiert und waren daher eng mit dem Unterricht der Kantonsschule verknüpft. Damals haben sich einige Schülerinnen und Schüler mit dem Musical-Fieber angesteckt, was zur Gründung eines Vereins mit dem passenden Namen "Musical Fever" geführt hat. Mit dabei sind über 70 Jugendliche, vor allem Schülerinnen, Schüler und Ehemalige der Kantonsschule Luzern, aber auch von anderen Schulen. Sie alle investieren ehrenamtlich einen grossen Teil ihrer Freizeit in die immer grösseren und aufwändigeren Musical-Projekte. Der Verein umfasst nicht nur das Bühnenpersonal, sondern auch ein komplettes Musical-Orchester, Techniker und eine administrative Abteilung. Obwohl "Musical Fever" seinen Ursprung an der Kantonsschule hat, ist der Verein von der Schulleitung autonom. Auch finanziell: Der hohe Aufwand, der ein solches Musical verursacht, versucht man in erster Linie mit einer Türkollekte zu decken, denn bis jetzt war der Eintritt immer gratis - und man hofft, dass das auch in Zukunft so bleiben kann. Bei "Musical Fever" ist man also auf den Erfolg - oder besser gesagt, auch die Begeisterung des Publikums - angewiesen. Bei so guten Produktionen wie bisher und so viel versprechenden Projekten wie "Alter Ego" dürfte das aber kein Problem sein.
(Samuel K. Mattli)